Wenn ich beginne mich mit Menschen über mein tiefes Interesse an der buddhistischen Achtsamkeitspraxis auszutauschen, werde ich häufig gefragt “Was ist Achtsamkeit überhaupt? Was kann ich mir unter Achtsamkeit vorstellen?”
Wenn ich ehrlich bin - die Antwort darauf fällt mir jedes Mal schwer.
Ich weiß noch ganz genau, wie uns meine Dozentin in der Ausbildung unzählige Definitionen zur Achtsamkeit in Form von verschiedenen Texten mit theoretischen Erklärungen gab und wir in keinem dieser Texte das wiederfanden, was wir in Meditationen und Gruppenreflexionen bereits erlebt hatten.
Achtsamkeit mit Worten in der Theorie zu definieren ist wirklich eine Herausforderung. Sie ist tiefgründig, sie ist einsichtsreich und sie ist in der Lage zu heilen. Sie erfordert viel Mut, Offenheit und die Bereitschaft sich ihr regelmäßig zuzuwenden. Sie ermöglicht uns durch ein erweitertes Bewusstsein über unsere ureigene Menschlichkeit mehr und mehr zu verstehen und gesunde, innere Haltungen von aktiver Akzeptanz, Loslassen, Vertrauen und Bewertungsfreiheit einzunehmen.
Sie ist keine Therapie, aber sie kann hochgradig therapeutisch wirken.
Was dem allem zugrunde liegt ist eine grundlegende Tatsache, die die Geschichte vom “Geheimnis des Zenmeisters” sehr eindrücklich wiedergibt:
“Eine Frau besuchte einst einen buddhistischen Tempel, um von den Mönchen zu lernen.
Besonders ein Zenmeister wirkte jeden Tag völlig sorgenfrei.
Neugierig fragte sie ihn: „Werter Meister, was tust du, um immer so glücklich zu sein? Was ist dein Geheimnis?" Er lächelte. „Das Geheimnis ist einfach: Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich
auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."
Mit gerunzelter Stirn sah sie ihn an. „Ich liege auch, stehe auf, gehe und esse, aber glücklich bin ich nicht."
Da lachte er und erwiderte: „Das glaube ich gern. Während du liegst, denkst du ans Aufstehen, während du aufstehst, überlegst du, wohin du gehst, und während du gehst, träumst du schon vom Essen. Deine Gedanken sind ständig woanders, nur nicht da, wo du gerade bist - im Augenblick. Aber nur dort hast du die Chance, wirklich zufrieden zu sein."
In der Achtsamkeit geht es darum im Moment zu sein. Ein Beobachter seiner selbst zu werden und wahrzunehmen was geschieht, während es geschieht.
Stell dir vor, du gehst im Park spazieren. Anstatt in Gedanken versunken zu sein oder dir Sorgen über die Zukunft zu machen, nimmst du bewusst wahr, was um dich herum geschieht. Du spürst den Boden unter deinen Füßen, die Textur des Weges und die Kühle des Windes auf deiner Haut.
Während du gehst, achtest du auf die Geräusche der Natur: das Zwitschern der Vögel, das Rascheln der Blätter im Wind. Du beobachtest die Farben der Blumen und die Bewegung der Wolken am Himmel. Wenn deine Gedanken abschweifen, bemerkst du es und bringst deine Aufmerksamkeit sanft zurück zu deinem Gehen und der Umgebung.
Indem du dich vollständig auf diesen Moment konzentrierst, erlebst du das Gehen nicht nur als Fortbewegung. Sondern der Spaziergang wird zu einem bereichernden und beruhigenden Moment der Achtsamkeit, in dem du ganz im Hier und Jetzt bist.
Alle Sinneserfahrungen, Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen werden in all ihren Details offen, neugierig, annehmend und wertfrei wahrgenommen.
Achtsamkeit wird durch verschiedene Praktiken und Übungen erlernt, die dazu dienen, die Aufmerksamkeit immer wieder neu auf den gegenwärtigen Moment zu lenken.
Die beste Basis ist es, Achtsamkeit in einem Kurs über mehrere, thematisch aufeinander aufbauende Einheiten in der Gruppe zu erlernen.
Ein Achtsamkeitskurs beinhaltet das systematische Training folgender grundlegender Methoden:
Meditation:
Regelmäßige Achtsamkeitsmeditation hilft, den Geist zu schulen, um Gedanken und Gefühle bewusst wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Dabei kann auf den Atem, Körperempfindungen oder Geräusche geachtet werden.
Es gibt Meditationen im Liegen, im Sitzen und im Gehen. So werden bereits im Achtsamkeitstraining alle alltäglichen Lebenslagen mit einbezogen.
Körperwahrnehmung:
Übungen wie der Bodyscan helfen, das Bewusstsein für verschiedene Körperteile und deren Empfindungen zu schärfen.
Achtsame Bewegungen:
Körperübungen aus dem Yoga fördern die Verbindung zwischen Körper und Geist und helfen, sich im Moment zu verankern.
Alltagsintegration:
Achtsamkeit kann in alltägliche Aktivitäten integriert werden, wie z.B. beim Essen, Gehen oder Duschen. Indem man diese Tätigkeiten bewusst ausführt, kann man das Hier und Jetzt erfahren.
Selbstmitgefühl:
Achtsamkeit fördert auch das Selbstmitgefühl, indem wir lernen, unsere eigenen Gedanken und Gefühle freundlich und liebevoll zu akzeptieren.
Durch kontinuierliche Praxis und Reflexion können diese Techniken in den Alltag integriert werden, was zu einem achtsameren und bewussteren Leben führt.
Jon Kabat-Zinn, der Begründer des MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction) hat ein solches Basis-Achtsamkeitstraining wissenschaftlich erforscht und darin belegt, dass die Achtsamkeitspraxis signifikante positive Effekte auf die psychische und physische Gesundheit hat.
Zu den wesentlichen Erkenntnissen gehören:
Stressreduktion:
Achtsamkeit hilft, Stress und Angst zu verringern, indem es Menschen ermöglicht, ihre Reaktionen auf stressige Situationen zu verändern und besser mit Herausforderungen umzugehen.
Schmerzlinderung:
Studien zeigen, dass Achtsamkeit chronische Schmerzen lindern kann, indem es das Bewusstsein für den Schmerz verändert und die emotionale Reaktion darauf reguliert.
Verbesserte emotionale Gesundheit:
Teilnehmer von Achtsamkeitskursen berichten von einer Verringerung von Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Erkrankungen. Achtsamkeit fördert das emotionale Wohlbefinden und die Resilienz.
Steigerung der Widerstandsfähigkeit:
Achtsamkeit stärkt die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen und mit stressigen Lebensereignissen umzugehen. Teilnehmer entwickeln eine höhere emotionale Stabilität und Flexibilität.
Kognitive Verbesserungen:
Achtsamkeit kann die Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnisleistung verbessern, da eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis die Gehirnstruktur positiv beeinflusst.
Bessere Lebensqualität:
Viele Teilnehmer von Achtsamkeitkursen berichten von einer gesteigerten Lebensqualität, mehr Zufriedenheit und einer tieferen Verbindung zu sich selbst und anderen.
Stärkung des Immunsystems:
Einige Studien deuten darauf hin, dass Achtsamkeit das Immunsystem stärken kann, was zu einer besseren allgemeinen Gesundheit führt.
Diese Ergebnisse haben dazu beigetragen, Achtsamkeit als effektives Werkzeug in der Psychologie und Gesundheitsversorgung zu etablieren.
Ich hoffe, ich konnte dir einen ersten Eindruck der jahrtausendealten Praxis der Achtsamkeit geben. Ich bin überzeugt davon, dass sie in unserem heutigen Leben wertvoller ist, denn je.
Ich würde mich freuen, wenn ich dir in einem Achtsamkeitskurs, einem Workshop oder an einem Achtsamkeitstag in der Praxis eine lebendige Idee vom bewussten Sein im Moment geben kann.
Mit der Achtsamkeit können wir selbst inneren Frieden finden und diesen zum Guten mit der Welt teilen.
Im 8 Einheiten umfassenden Kursprogramm lernst du die Basics der Achtsamkeit kennen. Du erhältst eine umfangreiche Einführung in die buddhistische Meditationspraxis, erfährst, was dauerhafter Stress für Auswirkungen auf dich und deinen Körper hat und bekommst viele alltagstaugliche Übungen an die Hand, um dem Leben wieder bewusst mit Leichtigkeit und Neugier zu begegnen.
Die 2,5-stündigen Workshops eröffnen dir die Möglichkeit, in spezifische Themenbereiche aus der Achtsamkeits- und Selbstmitgefühlspraxis einzusteigen. Dabei ist es ganz egal, ob du als Einsteiger neugierig erfahren möchtest, was es mit der Achtsamkeit überhaupt auf sich hat oder ob du schon erfahren bist und Lust auf ein bestimmtes Thema oder üben in einer Gruppe hast. Neu: Die Workshops sind auch für das eigene Wohnzimmer buchbar.
Der Achtsamkeitstag bietet dir die Gelegenheit für eine 6-stündige Auszeit. Du kannst wieder mit dir selbst in Kontakt kommen, deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen bewusst wahrnehmen und das achtsame Essen während der gemeinsamen Mittagspause in Stille kennenlernen. Im Gegensatz zu den Kursen und Workshops findet dieses Angebot hauptsächlich im Schweigen statt.
Thich Nhat Hanh